GEHIRN IM TANK

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Die Frage nach unserem Bewusstsein lässt uns nicht los. Manchmal sind wir wie fremdgesteuert. Oder immer?

Im 20. Jahrhundert hat der Begriff res extensa mit einem Gedankenspiel mit dem Namen Gehirn im Tank, das durch die Kybernetik bzw. die stetige Digitalisierung ihren Nährboden bekam, eine neue Bedeutung erhalten. Dabei geht es um die Vision, zum ersten Mal von Hilary Whitehall Putnam formuliert, dass ein Gehirn isoliert (also komplett getrennt vom menschlichen Körper) über Verbindungen von einem Computer Impulse erhält, die identisch mit jenen Impulsen wären, die ein realer Körper (inklusive dem realen Gehirn) generieren würde.

Die Frage ist nun, ob das Gehirn diese Impulse als echte oder als simulierte Realität wahrnehmen würde bzw. was der faktische Unterschied wäre. Man könnte auch fragen, ob das isolierte Gehirn (das mit dem Computer verbunden ist) diesen Unterschied überhaupt als relevant, also bedeutend einschätzen würde. 

Dabei geht es natürlich um eine ethische bzw. in der Folge auch um eine kulturelle Einordnung. Vor allem aber geht es um eine grundlegend existenzielle Position, die sich mit der Frage nach dem Wert für unsere eigene (menschliche) Existenz beschäftigt. Möglicherweise, im Sinne des Gedankenspiels, ist der Unterschied für das Gehirn nicht nur nicht relevant, man könnte die Idee auch spekulativ dahingehend weiter treiben, dass der Wert der simulierten Realität von dem [isolierten] Gehirn als relevanter und damit als wertvoller wahrgenommen wird. Provokativ könnte man diese Position auch so verkürzen, dass es für unser Gehirn keine bedeutende Rolle spielt, mit welcher Form von Realität sie konfrontiert wird. 

Wenn wir uns diese Position oder besser, diese Perspektive innerhalb unserer Gegenwart näher betrachten, dann kann man die räumlich ausgedehnte Sache (res extensia, nach René Decartes) auch mit all jenen Erweiterungen, vor allem der digitalen Medien, vergleichen, die unser tägliches Leben bestimmen.

Im Spiegel der aktuellen Medienkultur, welche quasi das Normativ der heutigen Realität darstellt, eröffnen sich dann möglicherweise komplett neue Perspektiven und Spekulationen über unsere Wahrnehmung und die Verwertung derselben.

© Carl Frech, 2020

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