MILORAD PAVIĆ

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Wir lesen einen Text in ständig neuen Zusammenhängen. In unserem Kopf. Milorad Pavić schreibt auch so.

Ein weiterer Impulsgeber für mich ist seit vielen Jahren Milorad Pavić; vor allem sein im Jahr 1988 erschienener Lexikonroman Das chasarische Wörterbuch. Das Buch, vergleichbar mit dem Ansatz eines Lexikons ist nichtlinear und daher in Bezug auf die Variabilität der angebotenen Texte interaktiv. 

Alle Texte sind über Querverweise miteinander verbunden, haben eine gewisse Redundanz zueinander, sind aber gleichzeitig innerhalb der einzelnen Themen bzw. der erzählten Geschichten inhaltlich voneinander abweichend. Damit bietet er verschiedene Versionen einer Geschichte und die Leser:innen können sich selbst entscheiden, wie sie die angebotene Logik interpretieren bzw. eine eigene Position dazu entwickeln.

Ähnlich einem Lexikon sind die Geschichten alphabetisch geordnet und verweigern sich auch daher einer zwingend inhaltlichen Zuordnung. 

Der Inhalt in Kurzform: Es wird die in Teilen auf überlieferten Tatsachen beruhende Geschichte eines nomadischen Volkes (der Chasaren) erzählt. Dieses Volk, das über viele Jahrhunderte zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meers lebte, hat vor der ersten Jahrtausendwende den Handel mit Gewürzen, Textilien und Sklaven auf Teilen der Seidenstrasse und zwischen Konstantinopel und dem Baltikum beherrscht. 

Die Chasaren waren sowohl jüdischem, christlichem wie auch islamischem Glaubens. Das Volk verschwand über einen Zeitraum von ungefähr 200 Jahren nach der ersten Jahrtausendwende. Es gibt unterschiedliche Überlieferungen, je nach den überwiegend religiösen Texten aus dieser Zeit. 

Das Buch von Milorad Pavić erzählt in polemischen und mythischen Erzählungen die Geschichte des Volkes der Chasaren im Zusammenspiel der Religionen und damit auch der unterschiedlichen Positionen.

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