LERNEN_9 [vision]

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Shortcuts zu einzelnen Unterthemen bzw. zentralen Stichworten in diesem Text:

Mangel ||| Not ||| Grundsatz ||| Kooperation ||| Qualität ||| Standard ||| Dick Fosbury ||| Perfektion ||| Stoffwechsel ||| Lego ||| Anna selbdritt ||| Mona Lisa ||| Relevanz ||| Hausbau ||| Emergenz ||| Wandelgang ||| Heterarchie ||| Gottfried Wilhelm Leibniz ||| Präsenz ||| Hirnfrequenzen ||| Petites perceptions ||| Multisensorik ||| Aufwachphase ||| Hochfrequenz ||| Permaaktivität ||| Supraaktivität ||| Digitale Booster ||| Generation Prompt ||| Stillstand ||| Geschichte des Hasen und des Igels ||| Lurking ||| Kulturwandel ||| Rhizom ||| Atmosphäre ||| Kontextkompetenz ||| Souveränität ||| Grosszügigkeit ||| Kinderideen ||| Drei Prämissen zur Lehre ||| Seite 853 ||| Drei Zitate

Kleiner Tipp: Dieser Text ist lang und wer will schon lange Texte lesen? Nutzt die Shortcuts/Stichworte als Jumper, um hin und her zu springen. Meine Schreibmethode kreist immer um ein zentrales Anliegen, welches ich aus verschiedenen Perspektiven beleuchte. Man kann, muss aber nicht alles lesen, um nachvollziehen zu können, was ich gerne mit euch teile. Jetzt aber los…

Der deutsche Soziologe Hartmut Rosa, * 1965, sagte sinngemäß in einem Interview Anfang der 2020er Jahre:

Der Mangel an einem Mangel ist unser eigenticher Mangel.

Dieser Provokation würden wohl wenige zustimmen. Wer will schon auf etwas verzichten, was man erworben und sich erarbeitet hat. Auch in Bezug auf den Aufwand, der nötig war, um sich einen gewissen Vorteil zu sichern?
Was auch immer mit einem Vorteil gemeint sein könnte.

Wobei jeder Mangel im Grunde der Start einer darauf aufbauenden Entwicklung ist bzw. sein kann.
Wenn ich Hunger habe, suche ich dringend nach einer Linderung dieses die eigene Existenz bedrohenden Zustandes.
Wenn ich an einem fremden Ort die dort übliche Sprache nicht spreche, dann ist es eine Frage der persönlichen Notwendigkeit, diese Kompetenz möglichst schnell und in ausreichender Qualität zu erwerben.
Bei einem Wetterwechsel mit überraschend kühlen Temperaturen bin ich dringend an wärmender Kleidung interessiert, um nicht frieren zu müssen.
Immer geht es darum, einen bestimmten Mangel auszugleichen.

Die Frage ist: Ausgleichen in Relation zu was?

Einen Mangel könnte man dann positiv betrachten und begrüssen, wenn dieser als Impuls eine Aktivität auslöst, die aus Gründen der Bequemlichkeit bzw. ausbleibender Not sonst nicht entstanden wäre.
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Das bedeutet, Not kann einen Rahmen für kreative oder innovative Lösungen bieten. Wenn jedoch ein bestimmter Mangel die eigene Existenz gefährdet, dann wird der potenzielle Lerneffekt durch das blanke Überleben überlagert.
Das Gelernte entsteht in dem Fall eher aus der Dramatik der Erfahrung selbst (überlebt zu haben).
Meist aber ist das Überleben nicht das Problem. Was dann?

In einer Welt bzw. einer Zeit, in der vor allem das Produkt bzw. das produktive Ergebnis Würdigung erfährt, welches innerhalb einer möglichst kurzen Zeit zur verwertbaren Realität werden soll, ist der Mangel der Feind neuer Ansätze zu einer Lösung.
Schon darum, da jene (Ansätze) nie ausreichend erprobt sein können und damit Sicherheit in Form eines [inoffiziellen] Zertifikats bieten, ohne das in unserer ängstlichen Gegenwart kaum noch Entscheidungen getroffen werden bzw. etwas grundsätzlich Neues entsteht.
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Ein Grundsatz ist ein Prinzip und durch den lateinischen Ursprung des Wortes principium selbst der Ursprung [2] bzw. der Anfang (Wikipedia).
Aus einem metaphysischen Blickwinkel ließe sich die radikale Position vertreten, einen Ursprung könne es als Novum ohne Vorbild nicht geben. Denn woher soll dieses Erste kommen?
Wir würden uns damit in die Nähe einer Frage nach Gott [2] bringen.
So abstrakt bzw. agnostisch wollen wir hier nicht werden.

Festhalten sollten wir jedoch: die meisten Ergebnisse menschlichen Schaffens sind aufbauend, sie basieren auf einer vorangegangenen Entwicklung und streben nach einem neuen und idealerweise optimiertem Zustand.
Es ist fast eine Plattitüde, festzustellen, wie in vielen Fällen die Optimierung ausbleibt und lediglich der Schein des Neuen zum Kauf oder einer neuen Nutzung verführen soll.
Häufig werden erst im Rückblick jene Probleme erkannt, die durch die avisierte Verbesserung entstanden sind.
Es muss aber nicht so sein.

Diesem Gedanken folgend könnte man ein berühmtes Zitat des niederländischen Philosophen Baruch de Spinoza abwandeln und sagen:

Im Grunde ist nahezu jede Entwicklung [auch dies im Sinne des Wortes] ein neuer Wickel um einen bestehenden Status, der wiederum auf unzähligen [Vor-] Versionen des Status quo ante beruht.
Das ist etwas unerfreulich, hoffen wir doch meistens irgendwie bzw. irgendwo, die Ersten zu sein.
Dieses Streben nach einer herausragenden Position ist zugleich Lösung und Problem dessen, was mit Lernen in Verbindung steht.

Zum einen ist progressives[2] Lernen in Isolation für uns nur bedingt vorstellbar (vergleichbar einem Robinson-Crusoe-Effekt, der erst veränderbar ist, als auf der Insel eine neue Person, Freitag, strandet und mit Robinson eine Gemeinschaft bilden muss!), zum anderen führt steigender bzw. stetiger Wettbewerb [2] [3] häufig zu hierarchischen Strukturen mit dem Effekt eines Vorteils für wenige und der Belastung bzw. Nachteile für viele, die von diesem System abhängig sind.
Wir könnten hier Karl Marx, 1818 – 1883, befragen, doch das würde zu komplex. Trotzdem wird uns das Thema der ökonomischen Bedeutung (von Lernen) im Weiteren noch beschäftigen.
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Die Kulturgeschichte der Menschheit kennt viele Beispiele hoher Wirkungsgrade der Lerneffekte für Einzelne durch Kooperation [2] mit anderen.
Kooperation kombiniert einzelne Kompetenzen zu einem Mehr dessen, was eine Gemeinschaft damit im Verbund erreichen kann.
Der Übergang zur Kollaboration ist fliessend und meint die zeitgleiche Arbeit an einer gemeinsamen Sache (Projekt), auch wenn sich die einzelnen Beiträge individuell unterscheiden.

Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass in einem kooperativen Prozess der richtige Zeitpunkt für die Übergabe der einen zur anderen Leistungskategorie bekannt sein muss. Sonst wird das Ergebnis der Gruppe gefährdet. Kollaboration wirkt immersiver, im Sinne des Eintauchens in einen Ablauf von Tätigkeiten für ein gemeinsames Ziel. Ein Beispiel:

Wenn ich in einer Küche an einem Menü mit drei Gängen in einer Gruppe arbeite, dann liegt der Erfolg des [gemeinsamen] Vorhabens darin, dass die Suppe (um die sich eine Person gekümmert hat) heiss serviert werden kann und der zweite Gang (zum Beispiel eine Gemüsepfanne mit Reis, an dem zwei Personen arbeiten) nicht verkocht während noch die Suppe gegessen wird (Kooperation).
Die Vorbeitung für den zweiten Gang erfordert die Kollaboration beim Schneiden der vielfältigen Gemüsesorten für das gemeinsame Ergebnis.
Das Beispiel klingt banal, die Unterscheidung ist jedoch wichtig!

Wir könnten diesen Gedanken für gemeinschaftliches Handeln übertragen und neue Begriffe wie Ko-Exploration, Ko-Motivation, Ko-Reflexion oder Ko-Generation, vielleicht auch Ko-Regeneration bilden, damit prägen und über deren Potenziale spekulieren.
Wesentlich ist nur die Bedeutung der Ergebnisse, die durch eine geschickte bzw. intuitive Kombination individueller und gemeinschaftlicher Kompetenzen realisiert werden kann.
Schauen wir noch einmal auf den Begriff des Mangels.
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In der enzyklopädischen Definition des Begriffes Mangel wird dieser vorwiegend mit einer minderen Qualität (eines Dings [2] [3] bzw. einer Sache) oder einer verminderten Menge, also Quantität (eines Dings bzw. einer Sache), in Verbindung gebracht.
In jedem Fall etwas, was vermieden werden soll, da entweder [mindestens] ein vergleichbares Ergebnis (besser ein besseres) oder eine Mindestmenge dessen nicht erreicht wird, was gemeinhin als Standard akzeptiert wird.
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Der Begriff Standard scheint hier der Andersartigkeit – und sei es auch nur als Experimentim Wege zu stehen.
Der grosse Vorteil dessen, was wir heute als Standard verstehen, ist die Austauschbarkeit und damit die Modularität dessen, was in einem [produktiven] Prozess erreicht werden soll.
Im Prinzip die Logik einer Maschine.

Wenn wir den historischen Hintergrund beleuchten, dann war damit häufig ein Machtanspruch verbunden. Der Standard war eine [königliche, also herrschaftliche] Vorgabe, deren Verletzung unter Strafe stand.

Wenn wir dies damit assoziieren, was wir üblicherweise unter Bildung verstehen, dann werden auch hier Standards meist vordefiniert, deren Erfüllung bzw. Bewältigung erwartet wird bzw. deren Nichterfüllung Nachteile für jene haben kann, die sich für einen anderen Weg zu einer Lösung entschieden haben.
Die Konsequenz für die Nichterfüllung eines Standards wird dabei nicht (mehr) als Strafe wahrgenommen, sondern als Lehrkonzept akzeptiert.

Die Freiheit zur eigenständigen Entscheidung für das eine und gegen das andere (Interessensfeld) wird erst nach dem Durchlaufen aller Planungsvorgaben (der Bildungsinstitution) erlaubt.
Dann jedoch beginnt ein flotter Anspruch, die Verantwortung (Konsequenzen) für das eigene Leben übernehmen zu können.
Es ist komplex.

Ein Standard steht auch für den Durchschnitt. Wir könnten auch von einem Mittelmaß sprechen und damit von einem Wert, der möglichst gut erreichbar ist.
Das klingt fair und nach einem demokratischen Vorgang.

Das Problem liegt in der Streuung der Akzeptanz einer Abweichung von der Norm, also wiederum dem Standard.

Da der süße Nachtisch erst nach den [vermeintlich] gesunden Anteilen des Essens kommt, so lernen Kinder und damit auch alle anderen (die einmal Kinder waren), dass man sich die Abweichung erst dann erlauben darf, wenn der Teller davor leer gegessen, also der Standard erfüllt wurde.

Es scheint grundsätzlich eine Herausforderung zu sein, gewohnte Formate in Frage zu stellen.
Das ist bedauerlich, denn auch wenn sich bestimmte Aspekte eines Tuns und der damit verbundenen Abläufe etabliert haben, so kann es eine gute Idee sein, diese komplett neu zu denken bzw. den Mut dazu aufzubringen.
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Am 20. Oktober 1968 gewann Dick Fosbury, 1947 – 2023, bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko mit revolutionären 224 cm die Goldmedaille im Hochsprung.
Das Besondere war seine Sprungtechnik. Bis zu dem Zeitpunkt war es üblich, die Stange mit den Beinen vorwärts springend zu überqueren.
Dick Fosbury übersprang rückwärts das Hindernis, indem er zuerst mit dem Oberkörper die Stange passierte und dann seine Beine nachzog.
Ein Gamechanger.

Am 20 Oktober 1897 wurde Peter Bamm geboren. Eines seiner von mir gerne genutzten Zitate lautet:

Fleiss für die falschen Ziele ist noch schädlicher als Faulheit für die Richtigen.

Ich gebe zu, das ist eine etwas negativistische und allzu spröde Perspektive. Klingt doch beides nicht besonders freudvoll und erstrebenswert. Das Zitat gibt mir jedoch die Vorlage für eine zentrale Frage:
Der Relevanz jedes Tuns!

Wenn wir heute in die Welt schauen, dann scheint der gesunde Menschenverstand [2] [3] ein wenig an Strahlkraft verloren zu haben. Oft wirkt es so, als läge die Lösung ohne jedes Hinterniss klar vor einem und doch wählen Menschen die gewohnten bzw. die etablierten Trampelpfade.

Im Juli 2025 veröffentlichte ein Team der Duke University in dem Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences eine Studie, in der nun final bewiesen wurde, dass Übergewicht dann zustande kommt, wenn dem menschlichen Körper mehr Kalorien zugeführt werden, als dieser während des Tages verbrennt.
Wie überraschend.
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Ich bekenne mich zu der Ironie. Es steht mir natürlich nicht zu, die wissenschaftliche Solidität der Studie in Zweifel zu ziehen.
Doch es ist ein gutes Beispiel für eine nahezu unüberbrückbare Problematik [2] in weiten Teilen der Gesellschaft: den Drang nach Sicherheit [2] [3] bzw. einem sicheren Ergebnis und den fast schon extremen Zwang nach Perfektion [2][3][4].

Das Bedürfnis nach Sicherheit ist vermutlich die Grundvoraussetzung für beständiges Leben. Die Biologie stattet jedes belebte System in der uns bekannten [2] Natur – ob es sich bewegen kann oder nicht – mit einer Art Gebrauchsanleitung zum Überleben aus.
Und sollte diese irgendwann nicht mehr den nötigen Erfolg verzeichnen, dann verschwindet die Spezies einfach wieder.
Die entstandene Lücke wird dann meistens wieder gefüllt (optimiert).

Ähnliches gilt für den Drang nach Perfektion. Nahezu jedes menschliche Schaffen ist davon gekennzeichnet, in der darauf folgenden [aufbauenden] Version zu einer Verbesserung, mindestens zu einer Variante [2] [3] mit vergleichbaren [idealerweise attraktiveren] Möglichkeiten zu führen.

Ob wir uns die Entwicklung von Faustkeilen über einen Zeitraum von ca. 1,5 Millionen Jahren betrachten oder die permanent optimierten Smartphones seit 1994 (bzw. 1999 – je nach Definition, was ein Smartphone sei): Immer ist Perfektion, und sei es auch nur im Detail, ein [Verkaufs- bzw. Kauf-] Argument.
Warum mache ich diese [assoziativen] Umwege, wenn ich mich mit Lernen bzw. der Vision von Lernen beschäftige?

Ganz einfach: Es scheint, der Detailismus und die Resolution (Auflösung) der Lernfelder (Fachgebiete) verhalten sich zunehmend wie ein gestörter Stoffwechsel, der immer komplexere Bestandteile verwerten muss und sich irgenwann gezwungen sieht, mit Abstossung, also allergisch zu reagieren.
Wenn so ein Zustand nicht korrigiert (geheilt) wird, dann beginnt eine Phase der Dissolution, also ein gewisser Zerfall, ein Zerbröckeln dessen, was nur noch detailreicher, und irgendwann gar bedrohlich erscheint, doch keinen Sinn [2] [3] mehr für das grosse Ganze ergibt.
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Bei einer Allergie verändert sich im menschlichen Körper das Immunsystem [2] nachteilig, die Leistungsfähigkeit für das ganze System (den Körper) wird reduziert.
In Bezug auf die mentalen und [idealerweise] sensorischen Prozesse des Lernens gibt es Ähnlichkeiten. Die Detailtiefe des Einzelnen löst sich ab einem gewissen Punkt von der Logik der Anhaftung an einen grösseren Zusammenhang und damit den Wert des eigenen Tuns.

Man versteht schlicht nicht mehr, was das eine mit dem anderen verbindet. Ein Problem der Perspektive. Wenn ich aus einer Schachtel schaue, dann ist die Schachtel kaum sichtbar.

So wie der menschliche Stoffwechsel eine für den Körper sinnlose Zutat im Essen [2] [3] trotzdem verwerten muss und irgendwann dagegen rebelliert, so verliert kleinteiliges und isoliertes Wissen ab einem gewissen Punkt den Kontakt zu einer sinnvollen Anwendung. Es wird antistatisch.
Ohne Verständnis für einen grösseren [sinnvollen] Zusammenhang, also Kontext, und ohne eine, wenigstens intuitive Ahnung für einen darauf aufbauenden zukünftigen Wert der Kompetenz, die man sich erarbeitet hat, diffundiert das Erlernte leicht hinter einem grossen Fragezeichen.
Es verliert Bedeutung.

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Dazu ein einfaches Beispiel: Nahezu die ganze Welt kennt die Funktionsweise von Lego-Bausteinen. Ein über die Jahrzehnte zunehmend komplexes Angebot von Steckelementen, die eine in der kindlichen Wahrnehmung unendliche Vielfalt varianter Ergebnisse ermöglichen (natürlich auch für Erwachsene). Soweit, so gut bzw. so kreativ.
Auch heute kann man einzelne Legoteile kaufen, doch das Prinzip dessen, was das Unternehmen Lego inzwischen anbietet, sind komplexe Objekte, die aus einem speziell dafür vorbereiteten Bausatz erstellt werden können. Was aber ist das Problem? Und: Ist das ein Problem?

Die aus dem Bausatz erstellten Objekte (Schiffe, Roboter, Burgen, Rennwagen, jeder kennt sie) werden ab dem Augenblick ihrer Fertigstellung zu einer Art Artefakt, zu einem fixierten Ding [2], das ausser seiner äusseren Präsenz kaum eine weitere bzw. darauf aufbauende Funktion [2] hat.
Kaum jemand, nachdem der Aufwand des Zusammenbauens nach einer festgelegten Anleitung erledigt ist, würde sich die Mühe machen, das Ding wieder auseinanderzubauen und von neuem zu beginnen.

Aus diesem wichtigen Grund: Einige Teile machen nur für dieses Objekt Sinn und es bleibt unklar, ob und – wenn ja – für diese Teile eine andere [sinnvolle] Nutzung, eine variante Anwendung vorgesehen ist.
Assoziativ im Kontext Lernen könnte man behaupten:
Wissen bzw. die Bedeutung singulärer Kompetenzen läuft damit Gefahr, als einer von vielen Ankern auf dem Boden eines unendlichen Meeres wahrgenommen zu werden, ohne zu wissen, zu welchem Boot oder Schiff dieser gehört.

Ich gebe zu, das klingt unter dem Pathos der Worte etwas dramatisch. Und um nicht falsch verstanden zu werden: Bausätze sind häufig eine grossartige Sache.
Doch für die folgenden Gedanken und Reflexionen ist mir ein argumentativ belastbarer Untergrund wichtig. Denn ich vertrete die Sicht, schlimmer: ich befürchte, dass sich die kulturelle Konvention rund um das Thema Lernen in den vergangenen zwei bis dreihundert Jahren sehr in vertikalen [2] [3] und häufig isolierten Strukturen verdichtet hat und manche spielerische Beweglichkeit verloren ging.
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Es gibt ein berühmtes und im Kontext meiner Intention zu diesem Text sinnvollerweise unvollendetes Gemälde von Leonardo da Vinci [2] mit dem Titel Anna selbdritt [2].

Anna selbdritt (Leonardo da Vinci). Gemeinfreies Motiv

Interessant sind zwei Ebenen der Betrachtung. Inhaltlich zeigt das Bild eine Szene mit drei Personen und einem Lamm. Die drei Personen sind die Heilige [Grossmutter] Anna, ihre Tochter, die Jungfrau Maria, und deren Sohn Jesus. Das Kind Jesus hält ein Lamm (als Symbol für ein Opfer), es spielt mit dem Tier und kündigt mit der Geste eines eindringlichen Blickes zur Mutter und der Grossmutter an, dass er selbst später am Kreuz sterben wird.
Der Blick des Kindes wirkt wie eine unausgesprochene Frage, ob die beiden verstanden hätten.

Die Heilige Anna zeigt mit ihrem Lächeln, sie hätte verstanden. Die Mutter von Jesus, Maria, blickt mit tiefer Betroffenheit und Sorge, doch auch mit Verständnis und einer gewissen Freude zu ihrem Sohn, da sie in dem Augenblick zu begreifen scheint, dieses Opfer wäre für die Rettung der ganzen Menschheit bestimmt [2].

Die zweite Ebene der Betrachtung zeigt in der künstlerischen Hochphase von Leonardo da Vinci eine materielle Komplexität und räumliche Tiefe, die hier natürlich als Metapher gemeint ist.
Die kleinteiligen Schichten der Felsen und Steine im Vordergrund, auf denen die drei Personen und das Tier vermeintlich sicher sitzen, versinken in einem komplexen Übergang in der Tiefe des Raumes, der Diffusion der Atmosphäre bis zu den Gebirgen und des Himmels darüber und lassen die Unendlichkeit erahnen.

Wir sehen drei [2] [3] [4] Generationen (auch für die Perspektiven Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) in einem Wechselspiel ihrer Beziehung zueinander, welches jeder Person dadurch einen besonderen Sinn für das eigene Leben gibt sowie das Sinnbild eines Lammes als Motiv einer Welt, die stets mit der Realität von Vergänglichkeit konfrontiert ist und nur so Erkenntnis und Prospektion erlangen kann.
Das Lamm ist Symbol für ein Opfer, das zu erbringen ist, um Rettung zu erlangen (im übertragenen Sinn).

Und wir sehen die fragilen, die aufeinander ruhenden und bezogenen Schichten. Sie sind ein Motiv der Abhängigkeiten des Einzelnen in einer sich permanent neu formenden Welt als Ganzes.
Damit auch dem (unbestimmten), was man nicht sehen kann, da es sich im Hintergrund befindet, doch eine Ahnung ermöglicht, wenn man genau hinschaut.
Damit ist das Bild ein Lehrstück für jenes tiefere Verständnis, welches davon erzählt, dass nur Zusammenhänge zählen, jenseits aller Zählbarkeit.

Kurzer Einschub: Mir ist die streitbare Motivik der Darstellung, zum Beispiel in Bezug auf das damit vermittelte Frauenbild, das Symbol eines Opfers bzw. generell der aufgeladene religiöse Kontext vollkommen klar. Ich lade trotzdem ein, mit ein wenig Abstand dazu meinen Gedanken weiter zu folgen.
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Passend zu dem Bild Anna Selbdritt gibt es von Leonardo da Vinci einen von ihm in vielen seiner spiegelbildlich festgehaltenen Schriften festgehaltenen Gedanken zu seinem berühmtesten Gemälde, der Mona Lisa:

Die Erde hat eine lebendige Seele.
Ihr Fleisch ist der Boden.
Ihre Knochen sind die Schichten und Strukturen der Felsen.
Ihr Blut fliesst in ihren Wasseradern.
Das Blut, das ihr Herz umgibt, ist ihr Ozean.
Ihr Atem durch das Steigen und Sinken des Blutes ist das Pulsieren der Erde bei Ebbe und Flut.

Giorgio Vasari, 1511 – 1574, war acht Jahre alt, als Leonardo da Vinci starb. In den 1550er Jahren hat er das Bild der Mona Lisa beschrieben und konzentrierte sich in seinen Abhandlungen unerwartet auf den Halsansatz der jungen Frau auf dem Bild.
Er sagt, wenn man genau hinschaut, dann könne man unter der fast durchsichtigen Haut der Frau ihren Pulsschlag erkennen und das Blut fliessen sehen.

Neben der Aussage des genauen Hinschauens als Bedingung zu jeder Erkenntnis sagt Giorgio Vasari damit auch, das Bild zeige einen Menschen, ein eigenes Leben, welches wir zu respektieren haben, dem wir mit Verständnis und Zuwendung begegnen sollten, um wirklich mehr zu sehen als nur die Oberfläche.
Warum ist mir dieser Ausflug in die Renaissance so wichtig, geht es mir doch um eine Vision zum Thema Lernen und damit um eine Spekulation über die Zukunft [2] [3]?
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Das Bild ist ein hilfreiches und wertvolles Sinnbild für die weiter oben gestellte Frage nach der Relevanz des Tuns.
Relevanz bedeutet, eine Sache in ihrer Komplexität abzuwägen und in die Höhe zu heben. Dadurch entstünde Bedeutsamkeit und eine situationsbezogene Wichtigkeit, die jemand diesem Etwas in einem bestimmten Zusammenhang beimisst (Formulierung: Wikipedia).

Mir ist schon klar, dass ich mit manchen hier formulierten Positionen [2] in diesem Text den Eindruck hinterlasse, es wäre ein Irrweg, sich einer Spezialisierung hinzugeben bzw. sich im Detail mit einer Sache in der Tiefe zu beschäftigen.
Das wäre jedoch eine falsche Interpretation meiner Gedanken.

Im Gegenteil: Fokussierte Beschäftigung und Tiefenkompetenz sind eine elementare Voraussetzung für jenes bzw. jedes Verständnis, das hier – und in allen anderen Texten auf diesem Textportal – Antrieb für meine Auseinandersetzung mit der Welt darstellt:
Es geht darum, die Dinge in ihrem Zusammenhang zu verstehen, Muster und Ähnlichkeiten offenzulegen, um Lernen und das damit verbundene Verständnis als freudvolles Erlebnis zu gestalten und in der Fortsetzung des Tuns als Ergebnis zunehmend leichter zu erleben.

Es wird zunehmend leichter, da sich irgendwann das zu Beginn noch grobe Netz der einzelnen Themen auflöst und in der Verdichtung des Erkennens vieler Gemeinsamkeiten einen neuen Überblick offenbart.
Dazu ein Beispiel:
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Wenn wir ein Haus bauen, dann gibt es tatsächliche und unstrittige Kompetenzen, die nur singulär an diesem Ort und in einer bestimmten Phase des Bauens notwendig werden.
Es macht keinen Sinn, die Möbel oder die Türen einzubauen, wenn dafür keine Stockwerke betreten und keine vorbereiteten Öffnungen bereit sind.
Es macht keinen Sinn, zu überprüfen, ob das Haus auch sicher bewohnt werden kann, wenn nicht alles so weit fertig ist und vorbereitet wurde, dass das Gebäude seiner avisierten Bestimmung übergeben werden kann.

Doch es gibt viele Kompetenzen, die sich in unterschiedliche und dadurch verbindende horizontale Richtungen neigen.
Mit dieser etwas sperrigen Beschreibung in horizontale Richtungen neigen meine ich, wie ein distanzierter Blick auf Ähnlichkeiten und Muster exponentielle Wirkungen entfalten kann.

Die damit realisierbare Potenz ist ein emergenter Prozess, der mehr sein kann, als isoliertes Wissen bzw. das, was in hermetischen Fachbereichen gelehrt wird oder Menschen sich selbst bzw. autodidaktisch beibringen (können).
Vergeben wird ohne Not die Fähigkeit der Anschlussfähigkeit zu anderen [Fach-] Gebieten und damit die Chance auf neue Potenziale.

Mit einem Blick auf Vorbilder in der Ökonomie (nicht als Blaupause gemeint), dann könnte man sagen, die produktive Bildung sollte [mindestens bzw. auch] zu einem Modell systemischer Bildung werden.
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Emergenz [2] [3] [4] [5] beschreibt jene nicht sichtbaren Potenziale, die erst durch das Zusammenspiel einzelner Elemente eines Systems auftauchen, emporsteigen und dann sichtbar werden.
Die aktuelle Haltung, was Lernen als Kategorie von Leistung erbringen soll, könnte man eher so beschreiben:
Alles, was nicht sofort, nicht leicht oder [noch] nicht erklärbar ist, wird bestenfalls dem Interessanten bzw. dem potenziell Relevanten zugeordnet.

Vergessen oder verdrängt wird dabei, dass nahezu jedes heute akzeptierte Wissen bzw. die unbestrittenen Tatsachen im Moment der ersten Betrachtung vor hunderten, tausenden und hunderttausenden Jahren sich nur mit dem Schleier einer sich zunehmend verdichtenden Vermutung offenbarte.
Daraus wurde irgendwann akzeptierte Realität bzw. nach den jeweiligen wissenschaftlichen[2] Regeln [akzeptiertes] Wissen.
Vor knapp 500 Jahren entstand die erste Vorstellung von der Funktionsweise der Herzklappe durch Leonardo da Vinci.
Ob dies heute möglich wäre?
Wenn nicht, was haben wir verlernt?

Vieles wird nicht ausprobiert, da es keine Vorbilder gibt und oft die Zeit dafür fehlt, genau hinzuschauen, zu Beginn nur grobe Ähnlichkeiten zu akzeptieren und mit Provisorien so lange zu leben, bis man realisiert hat, ob sich gemeinsame Potenziale und damit gegenseitige Lerneffekte ergeben.
Oder eben nicht und das Experiment ganz oder in Teilen wieder beendet wird.
Ein feiner Unterschied zwischen mach es einfach und/oder mach es einfach.
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In alten Klöstern, aber auch in buddhistischen Tempeln gibt es Wandelgänge [2] und Wandelgärten.
Das sind bewusste und auf eine gewisse Weise geplante Umwege, die man gehen sollte, um zu reflektieren, um die Zeit wirken zu lassen, damit die Lösung, wie in einem Prozess der Gärung, aus der eigenen Stofflichkeit heraus zur besten Version wird.
Ich gebe zu, das klingt ein wenig metaphysisch.

Also genug der feinstofflichen Herleitungen. Werden wir etwas konkreter.

Ich habe weiter oben das Bild eines Hauses gewählt, um das Zusammenspiel unterschiedlicher Kompetenzen (Disziplinen) zu erläutern, damit am Ende eines Prozesses ein Haus Realität werden kann.
Das Verständnis zur Differenzierung von Disziplinen ist elementar, um ein Projekt bzw. ein Vorhaben so zu gestalten, dass die avisierten Ziele erreicht werden können.
Daher hier noch einmal die Unterschiede zwischen Multidisziplinarität, Interdisziplinarität und Transdisziplinarität.
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In dem einführenden Text zu meiner Forschungsarbeit, wozu auch dieser Text gehört, findet sich der Begriff Heterarchie von Marvin Minsky, 19272016.
Der Begriff taucht in vielen meiner Texte auf. Aus gutem Grund. Er bündelt in seiner Bedeutung nicht nur mein Denken an einem zentralen Punkt, sondern auch den Kern meiner Überlegungen zum Thema Lernen, vor allem in Bezug auf eine Vision des Lernens in der Zukunft. Warum?

Heterarchie meint die Auflösung dogmatischer Positionen in einem permanenten, einem kommunikativen [2] und interaktiven Prozess zwischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die gemeinsam in bester Absicht und konstruktiv auf der Suche nach der idealen Lösung sind, wissend, dass auch diese Lösung immer nur ein [Zwischen-] Ergebnis sein kann, welches in der Folge durch eine neue Version verändert wird.

Der deutsche Philosoph und Hermeneutiker Hans-Georg Gadamer, 1900 – 2002, hat für diesen Prozess einen schönen Gedanken formuliert:

Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte.

Wenn wir diesen Gedanken auf das übergeordnete Thema Lernen projizieren [2], dann geht es im Kern um die Frage der Kombinatorik, um Symbiosen und Synaptik.
Damit verbindet sich die Frage, was mit was in Verbindung steht und wer helfen könnte, die Wirkungen und Möglichkeiten dieser Ähnlichkeiten zu erkennen, zu erläutern und zu einer neuen Lösung zu führen.
So, als würde man im Ungefähren graben, um dann das erhoffte Fundstück zu bergen.
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Der deutsche Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz [2], 1646 – 1716 veröffentlichte im Alter von 19 Jahren sein erstes Buch mit dem Namen De Arte Combinatoria (Über die Kunst der Kombinatorik).
Darin beschrieb er, besser: war er auf der Suche nach einer universalen Sprache, mit der, mit den Mitteln der Algebra, wir könnten mit dem heutigen Vokabular [2] von Metadaten sprechen, einen universellen Austausch zu jedem Thema und damit jeder Frage erlauben würde.
Wer dabei an aktuelle Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz [2] [3] [4] und Large Language Models (LLM) [2] [3] denkt, ist sicher auf einer guten Fährte.
Darauf kommen wir noch später.

Hier eine kurze erläuternde Übersetzung zu dem Frühwerk von Gottfried Wilhelm Leibniz aus der englischen Ausgabe von Wikipedia:

Die Hauptidee des Textes ist die eines Alphabets des menschlichen Denkens, das Descartes zugeschrieben wird. Alle Begriffe sind nichts anderes als Kombinationen aus einer relativ kleinen Anzahl einfacher Begriffe, so wie Wörter Kombinationen von Buchstaben sind. Alle Wahrheiten lassen sich als geeignete Kombinationen von Begriffen ausdrücken, die wiederum in einfache Ideen zerlegt werden können, was die Analyse wesentlich erleichtert.

In den Jahren 1672 [2] / 1673 schrieb Leibniz eine Abhandlung zu einer Rechenmaschine [2] [3] [4] [5], welche die vier Grundrechenarten beherrschte.
Im Jahr 1687 entwickelte er das duale Zahlensystem und damit fast dreihundert Jahre vor den Anfängen der Digitalisierung [2] unserer Welt die dafür theoretischen Grundlagen.
Das Genie Gottfried Wilhelm Leibniz und, so wie er häufig genannt wird, der letzte Universalgelehrte unserer Welt kann hier nicht als Vorbild [2] dienen, er war und ist bis heute einzigartig, ein Unikum, wohl aber seine Art der transformatorischen und synthetisierenden Arbeitsweise.

In einer seiner mehr als 40.000 Schriften schrieb er: Mir kommen morgens manchmal so viele Gedanken während einer Stunde, die ich noch im Bett liege, dass ich den ganzen Vormittag und bisweilen den ganzen Tag und länger brauche, um sie klar zu Papier zu bringen.
Woher kommen Gedanken? Wie denken wir? Warum wissen wir so wenig über das Denken und die Potenziale, die daraus entstehen können?
Ein erster Gedanke dazu:

Gottfried Wilhelm Leibniz konnte sich im Detail und damit speziell mit all seinen Themen beschäftigen, da er es einfach gemacht hat!
Vermutlich hat er schlicht nie die Frage gestellt, ob man das dürfe bzw. ob dies vergeudete Zeit sein könnte.
Ich spekuliere: Er hat sich oft einfach treiben lassen und verfolgte sein Denken mit maximaler und der Gegenwart zugewandter Aufmerksamkeit. Er war exakt in dem Moment, in der Zeit, in welcher er auf einer mehr oder weniger klaren Suche nach einer Lösung war, präsent!
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Ich sprach kurz über das früheste Werk von Leibniz auf der Suche nach einer universellen Sprache. Eine weitere Kurzdefinition zu seinem Ansatz aus der englischen Ausgabe von Wikipedia lautet:

Dieses Alphabet würde also eine Logik der Erfindung darstellen, im Gegensatz zu der bisher bekannten Logik der Demonstration. Da alle Sätze aus einem Subjekt und einem Prädikat zusammengesetzt sind, könnte man alle Prädikate finden, die zu einem bestimmten Subjekt passen, oder alle Subjekte finden, die zu einem bestimmten Prädikat passen.

Ein Satz macht ohne ein Prädikat keinen Sinn. Es ist der Kern einer Aussage. Allerdings ist ein Satz ohne die anderen Bestandteile wie Objekt, Subjekt, Adverbien oder Konjunktionen [2] auch kaum aufschlussreich.
Der Begriff der Präsenz als die ultimative Anwesenheit in der jeweiligen Gegenwart, dem Augenblick, ist vergleichbar mit der Unbedingtheit [2] eines Prädikates in der Sprache.
Eigentlich ganz einfach. Aber was will ich damit sagen?
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Die Hirnforschung differenziert heute mittels Elektroenzephalografie (EEG) [2] [3] [4] sechs relevante Hirnfrequenzen:

Gammawellen (mehr als 30 Hz) stehen für höchste Hirnaktivität [2] [3] [4], für effiziente Verarbeitung von Informationen und sind darüber hinaus sicherheitsrelevant, da sie den Menschen zur schnellstmöglichen Reaktion [2] befähigen.

SMR-Wellen (12 – 15 Hz) zeigen eine Form der ruhigen Wachheit bzw. befähigen zu erhöhter Konzentrationsfähigkeit. SMR steht für sensomotorischen Rhythmus [2]. Diese Hirnfrequenz wurde in den 1960er Jahre zum ersten Mal bei Tierversuchen differenziert und steht seit jener Zeit für eine erhöhte bzw. besondere Aufmerksamkeit innerhalb des Wachbewusstseins, dessen Spektrum durch die Beta-Wellen definiert ist.

Beta-Wellen [2] (12 – 30 Hz) umschliessen SMR-Wellen und stehen ebenfalls für unser Wachbewusstsein, für konzentriertes Denken, die Fähigkeit zur aktiven Lösung von Problemen, sind jedoch auch der Bereich, in dem Menschen Angst und Stress wahrnehmen (wir kennen diese Phase zum Beispiel, wenn wir nachts aufwachen und mit einem komplizierten Gedanken in diese Sphäre [2] unserer Gehirnaktivität nahezu wehrlos katapultiert [2] werden).

Alpha-Wellen (8 – 12 Hz) stehen generell für Entspannung [2], für eine bestimmte und individuelle Form der Gelassenheit, aber auch für Tagträume (wenn man Glück hat). Gleichzeitig ist es die Phase des Übergangs zwischen Wachsein und Schlafen, was wir als besonders angenehm empfinden.

Theta-Wellen [2] (4 – 8 Hz) sind der Dämmerzustand zwischen Schlafen und noch leichtem Wachsein. Es ist auch jene Hirnfrequenz, die Menschen über Meditation [2] erreichen können, wo sie eine besondere kreative Intensität aktivieren können und in gewisser Weise einen Zugang zu ihrem Unterbewusstsein [2] haben.

Delta-Wellen [2] (0,5 – 4 Hz) schliesslich lassen Menschen tief schlafen. Über eine tiefe, vor allem eine körperliche Entspannung ist dies die Phase der bestmöglichen Regeneration [2] [3].

Was sollen diese ausführlichen Informationen zum aktuellen Stand der Hirnphysiologie im Zusammenhang mit Gottfried Wilhelm Leibniz? Eine ganze Menge.

Leibniz hat sich mit der Welt als Ganzes beschäftigt. Diese Welt fand in seiner Betrachtung und seiner Vorstellung jedoch keine Grenze im Sichtbaren der physikalischen Welt.
Vermutlich dachte er über sein Denken und sein Schaffen nicht nur nach, er ahnte, dass es mehr geben müsse als nur den Zustand der wachen und reflektierenden Konzentration.
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Über einen langen Zeitraum seines Schaffens tauchte der Begriff der Petites perceptions (kleine Wahrnehmungen) auf [2] [3] [4] [5].
Er war vier Jahre alt, als René Descartes [2], 15961650, starb, doch die Fulminanz des Werkes von ihm strahlte auch in das Leben und Wirken von Leibniz.

Es war das 17. Jahrhundert [2] und damit die Schlussphase der Renaissance, die auch als Manierismus bezeichnet wird.
René Descartes erklärte das Denken zur einzigen Instanz der Wahrheit und Deutung von Wirklichkeit.
Gottfried Wilhelm Leibniz, vielleicht der grösste Denker seiner Zeit, hatte eine Ahnung bzw. eine vage Vorstellung, es müsse mehr geben als nur den bewussten und ultimativen Akt des wachen Denkens.

In seinen Petites perceptiones spekuliert er über diese kleinen Empfindungen (perceptions) als noch unscharfe, unpräzise und wie unter einem Schleier sich frei bewegende Inhalte, Partikeln [2] gleich, die erst durch ihr Zusammentreffen eine neue Bestimmung, eine Gesamtwirkung langsam, oft sehr langsam deutlich machen [2] [3] [4].
Vielleicht sollte man Leibniz ernst nehmen, wenn er in einer seiner Schriften festhielt:

Auf ihnen beruht dieses ›ich weiß nicht was‹, diese Geschmackswahrnehmungen, diese Bilder sinnlicher Qualitäten, welche alle in ihrem Zusammensein klar, jedoch ihren einzelnen Teilen nach verworren sind. Auf ihnen beruhen die ins Unendliche gehenden Eindrücke, die die uns umgebenden Körper auf uns machen, und somit die Verknüpfung, in der jedes Wesen mit dem übrigen Universum steht. Ja, man kann sagen, dass sich vermöge dieser kleinen Perzeptionen die Gegenwart mit der Zukunft trifft und mit der Vergangenheit erfüllt ist, dass alles miteinander zusammenstimmt…

Wir erinnern uns an eine andere Aussage von ihm: Mir kommen morgens manchmal so viele Gedanken während einer Stunde, die ich noch im Bett liege

Ich werde an dieser Stelle nicht den Fehler machen, mich in komplexen Denkuniversen der damaligen Zeit, deren vorfindbaren Widersprüchen wie auch ethischen und moralischen Abhängigkeiten der damaligen Gegenwart zu verheddern.
Eine [damals] soziale Wirklichkeit, welche eigene Regeln kannte und es – wie heute – normal fand, eine internalisierte Sicht auf Religion und einen Gott zu entwickeln, um ab einem gewissen Punkt eine Lücke ausbleibender Erklärbarkeit zu füllen.
Das ist bzw. wäre heute vielfach nicht anders.

Es geht mir um etwas ganz bestimmtes, wenn Gottfried Wilhelm Leibniz sagt: Mir kommen morgens so viele Gedanken…
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Man kann das menschliche Gehirn nicht von der menschlichen multisensorischen Wahrnehmung [2] [3] [4] [5] entkoppeln und behaupten, alles Sein, alle Realität wären nur ein bewusster und wacher Akt der Konstruktion der Welt bzw. der Verhandlung über die Wirklichkeit, wie es der Konstruktivismus [2] attestiert.

Man kann nicht ernsthaft behaupten, Denken wäre ausschliesslich ein kognitiver Akt, der umfänglich unter der Kontrolle des Denkenden passiert.
So wie wir immer, auch in der Nacht, beatmet werden, so wie unser Herz ohne Pause und nur in unterschiedlichen Geschwindigkeiten immer, auch in der Nacht, schlägt, so werden wir zu jeder Zeit unseres Lebens bedacht.
Unser Gehirn als zentraler Ort der Gesamtheit unserer Wahrnehmung findet nie Ruhe, auch nicht, wenn wir schlafen.
Warum ist das wichtig?

Während wir im Gespräch mit einer Freundin oder einem Freund in einer Minute 100 bis 200 Wörter zu einer mehr oder weniger sinnvollen Aussage bündeln und unserem Gegenüber zu einer Reaktion [2] anbieten, hat unser Körper bzw. unsere Multisensorik ungefähr mehr als 100 Millionen Mal mehr Informationseinheiten gesammelt, verarbeitet und irgendwie für uns nutzbar gemacht.
Und sei es auch nur, damit wir auf einem wackeligen Stuhl sicher sitzen bleiben.
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Wer kennt das nicht: morgens in einem Zustand, der noch nicht als wach bezeichnet werden kann, doch auch kein Schlafen mehr ist, die Komplexität unseres Denkens, die Fähigkeiten zur Analyse bzw. Problemlösung noch trunken von der Nacht sanft wahrzunehmen.
Eine Zeit in einem Zwischenraum der Zeit, ein Zwielicht unserer Wahrnehmung, das uns bedenkt und beschenkt mit einer anderen Art des Sehens und Einsicht in Räume (im Sinne des Wortes), die während des darauf folgenden Tages für uns verschlossen scheinen.

Wer kennt nicht dieses Gefühl, wenn durch ein lautes Geräusch, durch eine äussere Bewegung, welche uns aufschrecken lässt, all diese ungeheure Transparenz und Klarheit von einem auf den anderen Augenblick [2] verloren geht?
Man würde all dies so gerne erinnern [2] und für den Tag oder das ganze restliche Leben nutzen.
Wenn es nicht so schwer wäre.

Mir ist vollkommen klar, dass ich bis zu diesem Teil im neunten Text der Serie zum Thema Lernen einige Leserinnen und Leser verloren haben könnte.
Das ist das Problem.
Doch warum? Warum fällt es uns so leicht, über Stunden fünf- bis zwanzigsekündige Inhalte zu konsumieren, doch einem Text bzw. einem komplexeren Inhalt nur schwer und mit gravitativer Müdigkeit folgen zu können?

Viele meiner Texte beschäftigen sich generell mit der Frage, wie sich Potenziale bei Menschen entwickeln können, welche Hindernisse durch gesellschaftliche Strukturen deren Wachstum behindern und vor allem, welche Rolle das zäheste Gift menschlicher Existenz eindrücklich spielt: die Angst.
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Unsere globale Gesellschaft scheint, nicht zuletzt durch ausdauernde Beschäftigung mit Medien jeder Art, die häufig zu einer Externalisierung der eigenen Wahrnehmung verführen, in einer hochfrequenten Phase festzustecken.
Individuelle Produktivität und permanenter Progress (warum und wohin auch immer) scheinen eine Aura der Unbedingtheit über uns auszubreiten. Es ist normal und wird so wahrgenommen.

Jede zeitliche Lücke wird über ein soziales Überdruckventil permanent auf einer Mindestauslastung gehalten. Wobei der Standard für den jeweils akzeptablen Druck, der zu einem normalen Leben gehört, tendenziell nach oben korrigiert wird.
Psychologisch fragwürdig [2] [3], doch ökonomisch sehr erfolgreich.
Das klingt ein wenig dramatisch. Doch das ist es auch und sollte wenigstens für einen Moment beleuchtet und ausgehalten werden.

Seltsam scheint, dass die Belastung durch öffentliche Aktivitäten innerhalb der Strukturen durch Arbeit oder der jeweiligen Bildungseinrichtungen nicht zwingend verändert wurde.
Teilweise hat sich in den letzten Jahrzehnten sogar eine besondere Aufmerksamkeit darauf gerichtet, speziell vor dem Hintergrund des Drucks im Wettbewerb um Mitarbeiter:innen die besten Angebote zu haben (Stichwort: z.B. Employer Branding), die Arbeitsbelastung zu senken oder diese über attraktive Umfelder angenehmer zu gestalten.

Auch in Bildungseinrichtungen haben sich die Strukturen kaum verändert bzw. sind die vorgegebenen Lehrinhalte in den vergangenen 10 – 20 Jahren relativ identisch geblieben (was nicht unbedingt eine gute Nachricht ist).
Trotzdem wird Bildung bzw. Lernen heute in Teilen dramatisch anstrengender [2] [3] [4] [5] (Zeitraum 2022, 2023 und 2024) und als kaum bzw. nicht mehr leistbar wahrgenommen.

Die Sozialwissenschaft, die Psychologie aber auch politische Institutionen gehen davon aus, dass die globale Pandemie (Corona) in den drei Jahren nach 2020 einen gravierenden Einfluss auf den Status heutiger Selbstwirklichkeit der Menschen und deren Umgang mit Stressfaktoren hatte [2] [3] [4].
Dies nur als randständige Anmerkung. Folgendes ist mir wichtiger:
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Ich sprach weiter oben von einer hochfrequenten Gesellschaft, einem Modus permanenter Mobilität, wobei Menschen dafür immer weniger gezwungen sind, ihren Ort zu verlassen.
Provokativ gesagt: Die permanente Selbstwahrnehmung mit bzw. innerhalb digitaler Medien, die damit verbundene Mobilität und Produktivität (wenn auch nur die Illusion davon) führe zu einer gewissen Entkörperlichung, kombiniert mit einer ins Extreme tendierenden Fokussierung auf den eigenen Körper.
Quasi eine Gegenmaßnahme auf der Suche nach Realität.

Fast könnte man mutmaßen, dass eine steigende Unsicherheit in das Vertrauen eigener Körperwahrnehmungen [2] [3] [4] reziprok mit einer erhöhten Aufmerksamkeit gegenüber dem gleichen Körper verbunden ist. Seltsam.
Fast könnte man in einem Leitsatz provokativ fragen:

In einem anderen Text schreibe ich über permaaktive Medien und meine damit die globale Digitalität, welche seit den 2000er Jahren eine Zäsur beim Gebrauch digitaler Medien darstellt.
Ab dem Zeitpunkt und mit exponentieller Dynamik entwickelte sich eine Digitalkultur [2] [3], die zunehmend jede Handlungsebene der Menschen und deren verfügbare Lebenszeit [2] (punktuell und generell) vereinnahmte.

Es gibt aktuell ca. neun Millionen Apps für nahezu jedes menschliche Thema und dies in extremer Redundanz und Wettbewerb zueinander. Da bleibt kaum noch Platz für ein Leben jenseits digitaler Parallelität [2].
Damit ich nicht falsch verstanden werde. Das kann, muss aber kein Problem sein.
Das Problem entsteht jedoch, wenn Permaaktivität von einer gewissen Pseudoaktivität überschattet wird und Menschen kaum noch die Relevanz ihres Tuns ein- bzw. wertschätzen können.

Info: Der Begriff Permaaktivität ist ein Kunstwort von mir, welches ich im Jahr 2005 mit Blick auf die Veränderungen der Nutzung digitaler Medien als mobile [permanente] Begleiter geprägt habe.
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Der vorab erwähnte Text beschäftigt sich jedoch vorwiegend mit der Idee supraaktiver Medien (Titel und Anlass des Textes selbst und ein Kunstwort von mir).
Damit ist gemeint, wie seit Beginn der 2020er Jahre – wenn auch noch schemenhaft – Abstoßungseffekte deutlich werden. Was meine ich damit?
Seit Jahrzehnten breiten sich auf der [globalen] gesellschaftlichen Oberfläche, wir sollten eher von Handlungsflächen sprechen, unterschiedliche Spielarten der unisono und inflationär so bezeichneten Künstlichen Intelligenz [2] [3] aus.

Eine Art subkutanen Vordringens in immer tiefere soziale Schichten unserer Alltagsroutinen.
Mit einem provokativen Hintergedanken könnten wir heute behaupten:
Die Systeme bleiben unter sich.
Zumindest scheint es zukünftig so zu sein. Die Prozesse laufen. Ohne Pause. Vergleichbar mit der Natur, welche wir partiell beeinträchtigen können (häufig zu unserem langfristigen Schaden).
Ein Aufhalten ist meistens unmöglich.

Es spielt [für die Systeme] nur noch bedingt eine Rolle, ob wir daran teilnehmen. Vieles (denken wir an die Finanz- und Energiewirtschaft, an Logistik, die Meteorologie u.v.a.) funktioniert autark und zunehmend selbstoptimierend.  Ein Vergleich mit dem heutigen Metatrend Longevity drängt sich geradezu auf. Der empörende Unterschied: Ein digitaler Code [2] [3] kann zwar überschrieben werden oder an Relevanz verlieren, aber er altert nicht (im Sinne eines biologischen Zerfalls).
Das Irritierende dabei ist: Ein von Menschen erdachtes und gemachtes Werkzeug braucht – zum ersten Mal in der Geschichte unserer relativ jungen Zivilisation – keine Menschen mehr, um das Werkzeug selbst weiterzuentwickeln. 
Im Gegenteil.

Die Mitwirkung durch Menschen führt zu einer massiven Abbremsung der Performanz und wirkt sich kontraproduktiv [2] auf die Potenzialentwicklung der Systeme aus.
Daraus ergibt sich die erschreckende Logik: Der Energieaufwand für die Kommunikation mit Menschen sollte idealerweise klein zu halten sein. Am besten, indem Inhalte so weit wie möglich standardisiert bzw. modularisiert werden.
Die Folge: Von Menschen gestellte Fragen und damit die Bedürfnisse gleichen sich immer stärker an.

Der Trick ist verblüffend: Trotz der Standardisierung fühlen wir uns relativ einmalig. Ein Mimikryeffekt [2]. Wir sind einfach emotional relativ leicht verführbar.
Die bedingungslose [2] und zugewandte Aufmerksamkeit führt zu einem stetigen Schub endorphiner Ausschüttung in unseren Gehirnen. Wir fühlen uns verstanden, umsorgt und (auf seltsame Weise) gemocht. Die Systeme lernen uns permanent besser kennen und wirken dadurch prägend (steuerend) auf uns. Und damit auch auf unsere konkreten Handlungen.
Provokativ ausgedrückt: Die Systeme versorgen uns [zunehmend] mit dem, was sie für uns als relevant erachten.
Oder eben nicht. In einem Leitsatz:

Relevanz entsteht dabei durch die Befriedigung eines unmittelbaren Bedürfnisses bzw. die möglichst reibungsarme Beantwortung einer Frage.
Überraschungen, Zufälle, Umwege und irritierende Assoziationen, die damit zusammenhängen könnten, werden nach Möglichkeit vermieden. Dafür wäre der Energieaufwand zu gross.
Irgendwie logisch. Aktuell noch kaum ein Problem. Langfristig vielleicht schon.

Wie in nahezu allen Lebensbereichen [2] ist heute Lernen und Bildung ohne digitale Medien nicht mehr vorstellbar. Es würde schlicht keinen Sinn machen, die vielfältigen Mittel und Methoden zur Optimierung der eigenen Potenziale nicht zu nutzen.
Digitalität [2] hat in den vergangenen ca. fünf Jahrzehnten zu einer zuvor nie dagewesenen Steigerung der produktiven Verwertung komplexer Inhalte geführt und damit auch die Lösungen zu den jeweiligen Herausforderungen zunehmend komplexer werden lassen. Mehr noch: Häufig hat sich die Qualität der darauf aufbauenden Ergebnisse verbessert. Keine Frage.
Wobei Verbesserung leider nicht selten mit Beschleunigung bzw. Geschwindigkeit verwechselt wird.
Was so flott geht, muss auch gut sein, oder?

Trotzdem: Es wäre eine schräge und einseitig dystopische Position, dies nicht zu erkennen und anzuerkennen. Darum geht es mir nicht. Im Gegenteil, und als persönliches Statement:
Ich bin selbst ein Kind der Digitalisierung, habe ich doch nahezu jede digitale Veränderung der vergangenen 40 Jahre mit dem jeweils ersten Tag der Veränderung erlebt und mit meinen Möglichkeiten zu prägen versucht. Der Unterschied zu Digital Natives ist mir dabei bewusst.

Mit der Konsequenz des vorab Beschriebenen könnten wir langfristig befürchten, dass sich die [digitalen] Ergebnisse von der Mitwirkung durch menschliche Handlungen zunehmend entkoppeln und nur noch partiell bzw. in strategischen Ausnahmen ökonomisch vertretbar sind.
Aber was dann?

Info: Der Begriff Supraaktivität ist ein Kunstwort von mir, welches ich im Jahr 2024 mit Blick auf die zunehmend autarke Aktivität der Künstlichen Intelligenz geprägt habe.
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Ich frage an verschiedenen Stellen nach der Relevanz des eigenen Tuns.
Man muss heute irgendwo im Graubereich der [extremen] Pro- und Contra-Positionen [2] die Frage stellen, wie sich die psychosoziale Wahrnehmung der Menschen verändert, wenn sie ihr eigenes Potenzial, also die persönliche Leistungsfähigkeit, ohne die Vielfalt der digitalen Booster nicht mehr richtig erkennen.

Dabei geht es nicht um die oberflächliche Reflexion des digitalen Alltags. Dies käme einer profanen Überschrift gleich.
Ich spreche von der existenziellen Frage nach der eigenen Schaffenskraft jenseits der digitalen Landkarte (über uns) und ihrer auratischen [2] Wirkmacht (in uns).

Wenn die Antwort auf alle Fragen nur eine artikulierte Frage an ein artifizielles Hilfsmittel entfernt liegt (wie dies die unterschiedlichen KI-Systeme niederschwellig möglich machen), dann überholt die Antwort möglichweise das eigene Nachdenken über die Frage selbst und nivelliert sich auf dem Bodensatz der schieren Aktivität des Fragestellers (Promping [2]).
Ohne dass dies mit einer eigenen Perspektive und Position verbunden wäre.
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In unserer Gegenwart entstehen permanent neue Begriffe, als müssten wir der Dynamik und der Komplexität mit einem Anker begegnen. Als wären wir in Sorge, sonst den Halt zu verlieren.
Für die Interaktion mit Systemen der Künstlichen Intelligenz spricht man heute von der Generation Prompt [2] [3] und meint damit auch ein neues Berufsbild.
Wobei vielleicht übersehen wird, dass sich die KI-Systeme bald gegenseitig prompten.
Ist das ein Problem? Vielleicht ja.

Das eigene Nachdenken, die individuelle Zeit zur Reflexion [2] und die explorative Zeit mit anderen Menschen als Intention zu einem selbstständigen Verständnis sind nach meiner Überzeugung der Goldstandard menschlicher Kreativität und Schaffenskraft [2] [3] [4].

Wenn jedoch die Kultur des Miteinander nur noch in der Hochfrequenz von Beta- und Gammawellen (12 – 30 Hz und höher) gesellschaftlich akzeptiert wird, dann verdichtet sich der Kanal der Wahrnehmung zu einem digital determinierten Tunnelblick.

Wissenschaftlich wird dieser spitze Winkel der Wahrnehmung auch selektive Wahrnehmung genannt.
Tiefensensibilität (introspektiv) oder auch prosoziales Verhalten werden mit der Zeit überlagert.
Ohne dass dies die Absicht war.
Wir sprechen ja nicht von schlechteren Menschen, sondern von Wirkkreisen, die sich immer enger um einen zunehmend toxischen Mittelpunkt verdichten.

Der Blick in die Weite endet dann gerne in Greifweite der digitalen [Hilfs-] Mittel, ohne die wir uns zunehmend hilflos fühlen.
Dem Greifreflex von Säuglingen vergleichbar bzw. wie Haltegriffe, um sicher in der Spur der öffentlichen Erwartungen und Standards zu bleiben.

Dieser eben toxisch bezeichnete Mittelpunkt kann zu einem seltsamen Stillstand führen.
Eine Inaktivität als gefühlte Spannungslosigkeit unter Höchstspannung.
Es entsteht Stress und in der Folge Angst vor einem diffusen Versagen [2], ohne den Ort und das Thema des Scheiterns genau bezeichnen zu können.
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Der nur wenigen bekannte Kulturanthropologe Bernhard Vief hat in einer frühen Schrift in den 1980er Jahren einen Satz geprägt, der bei mir hängen blieb und heute kaum treffender sein könnte:
Im Zustand des Stillstands fühle ich mich auf vollen Touren.

Dieser griffige Satz verfängt sich auch mit dem Werk von Jean Baudrillard, 19292007, der unter dem Begriff Simulacron die Trennung aller Inhalte von ihrer Quelle beschrieb und davon ausging, die [heute: digitale] Welt würde zu einem monströsen Gebilde von Referenzen [2] werden.
Wir könnten auch sagen: Hauptsache, ich weiß, wo ich es finde.
Tatsächlich schreibt er in einem Text, in dem er sich mit der Durchdringung elektronischer Medien in unserer Alltagskultur beschäftigt, einmal zielsicher: Hauptsache, es bewegt sich!

Würde René Descartes heute leben, vielleicht würde er sagen:

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Bernhard Vief übertrug in Anlehnung an die Geschichte des Hasen und des Igels aus Grimms Märchen – der Hase wird überlistet, da der Igel seine Frau bittet, sich kurz vor dem Ziel für ihn auszugeben. Beim 74. Versuch des Hasen, den Igel einzuholen, fällt der Hase tot um – diese Geschichte auf unsere Medienkultur und heutigen digitalen Realitäten, indem er erläuterte, die Übertragung verlöre an Relevanz, mit dem Ergebnis, dass [lineare] Zeit zur Überbrückung von einer Frage zu einer Antwort in einem schwarzen Loch aller Inhalte auf diesem Planeten verschwindet und reversibel wird.
Klingt kompliziert und ist es auch.

Um im Bild zu bleiben: Wenn der Igel (als Metapher für Inhalte) überall und gleichzeitig präsent ist, dann wird jede Geschwindigkeit, zumindest in Bezug auf menschliche Er- und Verarbeitungsfähigkeit, aufgelöst. Die Frequenz bleibt hoch und wird permanent höher.
Ob es Sinn macht oder nicht.
Mit einem lapidaren Ergebnis: Der Mensch dreht durch. Oder gibt (irgendwann) auf.

In einem Artikel auf der Plattform von FastCompany vom 16. Juli 2025 wurden die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht: Die sogenannte Gen Z, also Menschen, die zwischen den Jahren 1995 und 2010 geboren wurden, hätten eine gewisse Angst vor dem Telefonieren, da sie das direkte Gespräch überwiegend mit negativen Nachrichten verbinden.

Google hat diesen Trend schon länger erkannt und bietet aktuell (USA) schon eine (noch relativ einfache) virtuelle Assistenz an, welche bestimmte Alltagsroutinen, die üblicherweise [noch] telefonisch erfolgen, in Zukunft übernimmt und nur noch die [erfolgreichen] Resultate mit den realen Personen teilt.
Sonst machen sie (die Systeme) einfach ihr Ding.

Ähnliche Studien gibt es zum sogenannten Job-Ghosting. Damit ist gemeint, dass Menschen sich irgendwo bewerben, ein Vorstellungsgespräch bei einer Firma vereinbart haben und dann nicht erscheinen.
Es wäre zu einfach, dies mit schlechtem Verhalten und mangelnder Kultur zu kritisieren. Die Gründe dafür liegen tiefer bzw. das Problem ist vermutlich komplexer.
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Es gibt in der sozialen Medienkultur auch den Begriff des Lurking [2] [3] [4] [5].
Ein Verhalten, das mit Passivität beim Konsum in digitalen Medien beschrieben werden kann. Man liest, betrachtet und lauert (lurked), doch man reagiert nicht mehr.
In extremen Fällen kann sich auch ein nahezu kompletter Rückzug aus der Öffentlichkeit entwickeln.

Das ist bzw. muss kein Problem sein oder werden.
Passive Teilnahme, heimliches Beobachten bis zu einer Form des Voyeurismus, verbunden mit der Freude am Nichtgesehenwerden, sind urmenschliche Verhaltensweisen [2] [3] [4].
Soweit also keine Sorge?

Wenn es einen Grund zur Sorge gibt, dann nur, wenn Passivität zur Grundhaltung wird, da ein System, eine Struktur bzw. Institution in ihrer Übermächtigkeit einer Person das Gefühl gibt, besser abzuwarten.
Dann kann Unsicherheit entstehen und das Gefühl, es wäre besser ratsam, erst dann eine Antwort zu geben, wenn man kompetent genug ist. Doch wann ist die Kompetenz ausreichend für einen eigenen Beitrag, eine eigene Position?
Wie immer gibt es mögliche Steigerungen. Wenn Passivität zu einem auffälligen sozialen Verhalten und damit verbundenem Rückzug wird, nennt man dies auch Interpassivität.

Bleiben wir bei der noch relativ harmlosen Variante. Es ist ein wenig wie eine Karotte, die ständig vor einem hängt.
Es gibt schliesslich immer noch eine Quelle, die man nicht gelesen hat, die man nicht kennt.
Damit entsteht in der Endlosigkeit aller [digital] erreichbaren Inhalte auf diesem Planeten das [gefühlte] Problem, dass dieses Ziel nicht, besser nie, erreichbar sein wird.

Nataliya Kosmyna vom MIT (die weiter unten noch einmal erwähnt wird) sagt dazu: Manchmal hört man zwar das Argument, der Mensch sei auch nicht dumm geworden, als der Taschenrechner entwickelt worden ist. Aber KI ist eben kein Taschenrechner. Niemand spricht mit seinem Taschenrechner über Gefühle. Mit der KI aber schon.

Wir sprachen von Hochfrequenz (unserer täglichen Handlungen [2] und Aktivitäten [2] [3]).
Ich denke, es wird allen, die bis hierhin meinen Gedanken gefolgt sind, klar, wo ich meinen Landeplatz für diesen Text suche:
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Ohne einen Kulturwandel und eine Wertschätzung jener Zeit, die nötig ist, um sich einem Thema mit individueller Geschwindigkeit zu nähern, dieses aus eigenem Antrieb zu durchdringen und mit der Freude über diesen Fortschritt noch mehr verstehen zu wollen, werden alle – auch gutgemeinten – Hilfsmittel nur Mittel für eine Hetzjagd, die am Ende zur Erschöpfung, zur Aufgabe und, schlimmer noch, zu einer Rückbildung herausragender Kompetenzen des Menschen führen (können).

Vermutlich bedeutet Kulturwandel in der Konsequenz, die Strukturen der Einrichtungen bzw. Institutionen zu hinterfragen und langfristig zu verändern.
Solange einseitige Abhängigkeiten der Lernenden von der Institution bzw. den Lehrenden real sind, ist es nicht leicht, die Motive für eine kraftvolle Motivation jener Menschen zu erkennen und zu fördern, die sich dafür entschieden haben, eine besondere Kompetenz in einem bestimmten Themenfeld aufzubauen.

Aber sind Menschen nicht grundsätzlich bequem und folgen dem Pfad des geringsten Widerstandes?

Absolut, alles andere wäre eine Verklärung und Romantisierung der Realität [2].
Daher: Realistisch betrachtet ist Veränderung ein Prozess und kein methodischer Schalter für ein neues Tool.
Denn die Grundlage dieses Prozesses sind Herausforderungen, wie Menschen ihren hochfrequenten Alltag erleben.
Wenn also die Konzentration (einer Veränderung) wie in einem Brennglas nur auf einen Punkt gerichtet ist und lediglich das verwert- und bewertbare Produkt (Ergebnis) im Fokus hat, wird jede andere Form der Annäherung an eine individuelle Problemlösung im Keim ersticken.
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Ein Pilz, der an der Oberfläche sichtbar wird, mag möglicherweise gepflückt und zubereitet gut schmecken und damit ein kurzfristiges Bedürfnis stillen.
Es führt jedoch zu keinem Verständnis darüber, wie sich das Rhizom unter der Erde über lange Zeit ausgebreitet hat und welche komplexen Verbindungen entstanden, damit dieses kleine Wunder möglich werden konnte [2].

Wenn Gottfried Wilhelm Leibniz schrieb (und jetzt zum letzten Mal): Mir kommen morgens so viele Gedanken…
…dann hatte er [vermutlich] keinen Stress, er hatte keine Sorge, etwas leisten zu müssen, einfach darum, weil sein Gehirn in diesem Zustand dieses Zwischenraumes im Bewusstsein so nicht funktionierte (und auch heute in unserer Zeit so nicht funktioniert).
Vielmehr war es ein Zustand der Gelassenheit, ein freies Radikal im Gestrüpp der kognitiven Grossartigkeit, deren Menschen fähig sind, was schon vor mehr als 1.000 Jahren von Avicenna [2] so beschrieben wurde:

Wir sollten uns selbst in die Höhe gehoben und nach oben fallend vorstellen. Im leeren Raum schwebend und mit ausgestreckten Armen und Beinen, mit geschlossenen Augen und Ohren und ohne Luftwiderstand auf der Haut zu spüren.
So und zwar nur so würden wir die Wirklichkeit der eigenen Existenz fühlen, die Seele oder das Selbst spüren.

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Wenn es gelingt, einen realen, vor allem einen atmosphärischen Raum zu schaffen, in dem Menschen, die lernen wollen, (!) ein wenig absinken dürfen und eine entspanntere Frequenz der Wahrnehmung erfahren, dann passiert – nicht immer, doch häufig – vielleicht das kleine Wunder, die grösseren Zusammenhänge als eigene Erkenntnis wirklich und persönlich erfahren zu können.

Ich bin überzeugt, Menschen sind zu exponentiellen Leistungen nicht nur fähig, sondern sie können diese auch [relativ] mühelos erreichen.
Einfach darum, da es sie glücklich macht, zu sehen, was sie geschaffen haben, und dies (wenigstens für den Moment) mit einem Gefühl von Stolz krönen können.

Die Interpretation des Bildes Anna Selbdritt beschreibt die Bühne dafür: Es geht um das aufrichtige Interesse an Menschen und deren Beziehung zueinander.
Und es geht um eine Perspektive, das Naheliegende genau und grundlegend zu betrachten sowie die komplexen Übergänge der vielschichtigen Hintergründe und Zusammenhänge zu erkennen.
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Ich bin davon überzeugt: Dieser mentale und multisensorische Muskel der Kontextkompetenz muss jene zentrale Fähigkeit sein, um in einer zunehmend hochdynamischen, diversifizierten [2] und komplexen Welt den Überblick zu behalten sowie Bilder und Erzählungen verschiedener Zukünfte anbieten zu können, die aus einem einfachen Grund immer wichtiger werden:
Menschen verstehen die Welt nicht mehr bzw. immer weniger. Sie machen sich Sorgen und sind in der Folge für einfache Antworten empfänglicher.
Leider ist das verständlich.

Mit einem fokussierten Blick auf die etablierten Bildungseinrichtungen der Hochschulen – wobei dies eine Herausforderung aller Bildungsebenen sein sollte – wäre es sinnvoll, die Themen- und Fachsegmente (Fächer, Fachbereiche und Fakultäten) nach dem Potenzial ihrer Kontaktstellen (vergleichbar mit der Synaptik [2] [3] unseres Gehirns) zu untersuchen.

Sicher bieten sich modulare Anbindungen zwischen den Fachgebieten nicht immer an, doch in vermutlich vielen Fällen ist eine Kombinatorik, eine Symbiose und Synaptik nicht nur interessant, sondern sie wird in Zukunft entscheidend sein, um vor den Herausforderungen in diesem Jahrhundert bestehen zu können bzw. um den vermeintlich richtigen Lösungen nicht nur passiv zuschauen zu müssen.

Sei es, dass diese von anderen Teilen der Welt kommen, welche das gesellschaftliche bzw. demokratische Verständnis der eigenen Vorstellungen nicht widerspiegeln, oder dass es Ergebnisse von Tools und Systemen der Künstlichen Intelligenz sind, die wir dann [vielleicht] schon nicht mehr nachvollziehen können oder vor der schieren Menge überfordert sind und kapitulieren.
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Soweit ist es aber [noch] nicht.
Für den Einsatz digitaler Hilfsmittel aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz bedeutet dies heute, die Souveränität zu behalten und erst dann Fragen zu stellen, wenn ein eigenständiges Verständnis, ein Prozess des Ausprobierens und explorativen bzw. experimentellen Machens zu neuen Fragen geführt hat.
Das Problem entsteht allerdings häufig dann, wenn sich Menschen die Frage stellen, was überhaupt neue Fragen wären. Keine einfache Frage.

In einer Untersuchung am MIT (Massachusetts Institute of Technology) unter der Leitung von Nataliya Kosmyna (sie tauchte weiter oben schon auf) wurde einer kleinen Versuchsgruppe von 60 Personen eine Textaufgabe gestellt. 20 Personen mussten vollkommen alleine schreiben, 20 Personen mit Unterstützung von Google Search, die restlichen Personen mit Google Search und ChatGPT.
Ich lasse die Details der Untersuchung beiseite und teile hier nur den zentralen Satz von Nataliya Kosmyna: Die neuronale Vernetzung im Gehirn wird mit jedem Tool schwächer.

Aber Vorsicht: Dieser Effekt kann von dem positiven Effekt absorbiert werden, wenn die digitalen Werkzeuge konzeptionell sinnvoll, vor allem nicht von Beginn an im Prozess der Annäherung zu einem Thema und auch dann nur punktuell bzw. in bewussten Portionen eingesetzt werden.
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Wenn wir das auf nicht-digitale Welten übertragen, dann bedeutet dies für die Lernumgebung [2] und die Lehrenden, eine aktivierende Atmosphäre zum eigenen Tun, zur mutigen Exploration und – vor allem – der persönlichen Konfrontation zu schaffen.

Wenn diese Bühne des Lernens dann so unscheinbar und zurückhaltend wirkt, dass die Lernenden das Gefühl haben, eine umfänglich eigene Leistung erbracht zu haben. Umso besser.
Wenn die gleichen Personen sich mit ein wenig Abstand an diese Lernerfahrung erinnern und wertschätzen, dass dieser Erfolg auch damit zusammenhing, was für sie geschaffen wurde und wie sie Unterstützung fanden, dann ist dies noch besser, da damit eine Keimzelle entsteht, ohne die jeder Progress in der Evolution des Lernens nicht möglich wäre: die Grosszügigkeit!

Die Freude am Teilen mit anderen.

Bei allen kritischen Gedanken, die in diesem und den anderen Texten zum Thema Lernen mitschwangen, war und ist die Intention eine konstruktive und positive Haltung, welche in der Summe für mein Anliegen stehen soll.
An anderen Stellen nutze ich dafür auch gerne den Begriff Possibilismus und meine damit die naive Vorstellung und Hoffnung, wie die Welt noch sein könnte.
Das, was Kinder einfach so tun und die Grenzen ihrer Handlung erst über das Machen erfahren.
Was wäre, wenn… und wenn es so wäre, dann!
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Wir mögen über die verrückten Ideen von Kindern mit der Hybris typischer Positionen von Erwachsenen milde lächeln. Aber sind wir so sicher, dass in Kinderbildern und den darin verwobenen Träumen nicht eine kleine Wurzel zu einer Entwicklung steckt, die wir (Erwachsene) nur darum nicht erkennen, weil wir in dieser Welt schon so gut zu funktionieren gelernt haben?
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Ich habe relativ zu Beginn meiner Lehrtätigkeit als Professor in der Fakultät Gestaltung an der heutigen Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt drei zentrale Prämissen formuliert, wie ich mir Lehre und damit auch meine Aufgabe mit den Studierenden vorstelle. Diese verfolge ich bis heute:

Die Geschwindigkeit globaler Veränderungen entwickelt sich exponentiell und scheint die menschliche Fähigkeit zur Aufnahme, insbesondere zur Verarbeitung derselben, seit Langem überholt zu haben.
Die Fähigkeit zur Differenzierung einer persönlichen Distanz zu einzelnen Themen oder Herausforderungen nivelliert sich vor diesem Hintergrund zu einer Wahrnehmung, in der Distanzen nur noch abstrakt sind bzw. alles gleich nah oder gleich entfernt erscheint.

Der Aufgabe, diese Entwicklungen prädiktional, als nachvollziehbare und verständliche Prognose bzw. Voraussage, einer zunehmend verunsicherten Gesellschaft zum Diskurs anzubieten, ist nicht nur eine Frage sozialer Verantwortung, sondern ein Tätigkeitsfeld von Hochschulen und Fakultäten im Umfeld von Kommunikation, Information und Gestaltung.

Wenn wir akzeptieren, dass Vergangenheit auch ein Zeitraum der Interpretation und Selektion einzelner Aspekte für das Verständnis in der Gegenwart ist, dann erscheint die Interpretation möglicher Zukünfte weniger spekulativ im Sinne reiner Mutmaßung, sondern als das, was Menschen immer tun: der Blick in eine absehbare Zukunft, das Erkennen möglicher Veränderungen vor dem Hintergrund der Erfahrungen in der Vergangenheit und die Ableitung einzelner Handlungsstrategien als ein heuristischer Prozess.
Mit dem Ziel, die Zukunft aktiv gestalten [2] zu können.

Wissenschaft wäre ohne Spekulation [2] über die Potenziale und Veränderungen in der Zukunft nicht möglich. Das Prinzip einer Hypothese ist ein kardinaler Vorgang, um eine Überprüfung der Unterstellung überhaupt erst möglich zu machen.
Die spekulativen Veränderungen brauchen zum einen möglichst belastbare Argumente unter einer methodischen Integration absehbarer Einflussfaktoren an unterschiedlichen Zeitpunkten in der Zukunft, zum anderen eine Form des niederschwelligen Erzählens (Storytelling), damit die Bilder der möglichen Entwicklungen in der Zukunft nachvollziehbar werden und – wenn nötig – ihren Schrecken verlieren.

Aus meiner Sicht ist die Fähigkeit zum Umgang mit Komplexitäten und damit die Entwicklung der Kompetenz zur Kontextualisierung essentiell für die Bewältigung zukünftiger Aufgaben und Herausforderungen.
Die Fähigkeit zur Arbeit und Auseinandersetzung mit Unsicherheiten und Spekulationen ist hier ein zentraler Faktor für die Qualität der notwendigen Lösungsansätze und -strategien.

Um hier mediokre Erwartbarkeit zu verhindern und wirklich und nachhaltig neue bzw. mutige Ergebnisse zu erzielen, sind transdisziplinäre Teams ein wichtiger Faktor.
Eine Gruppe von Menschen, die nicht nur unterschiedliche Kompetenzen auf einem vergleichbaren professionellen Level austauschen können, sondern jedes Kompetenzlevel für einen gemeinsamen Austausch der unterschiedlichen Perspektiven begrüssen und diesen gleichrangig für das bestmögliche Ergebnis in den Innovations- und Designprozess integrieren (Heterarchie).
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Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften hat im Akademie-Verlag Berlin im Jahr 1986 sämtliche 40.000 Schriften von Gottfried Wilhelm Leibniz veröffentlicht.
Auf der Seite 853, Nr. 132, findet sich ein schöner Text, der in seinen Worten und mit dem Blick aus seiner Zeit eine beachtliche Visionskraft aufzeigt:

Das Consilium will die Grundlagen schaffen, nicht nur für eine Geschichte der Naturwissenschaften, sondern auch für die Organisation jeglicher systematischer Forschungsarbeit, die notwendig auf eine Zusammenarbeit, eine Societas aller auf gleichem oder ähnlichem Wissenschaftsgebiet arbeitender Menschen, hinzielt.
Von der unsystematischen Verfahrensweise bisheriger naturwissenschaftlicher Forschung ausgehend fordert er die Anlegung von Tafeln nach verschiedenen Ordnungsprinzipien, die bereits erarbeitete Wissenschaftsergebnisse aufschlüsseln sollen, sowie Kataloge zukünftiger Forschungsaufgaben.
Dabei soll das Mögliche vom Unmöglichen, das Gewisse vom Ungewissen getrennt werden.
Den Hauptwert legt Leibniz auf Experimente und die Schaffung von Laboratorien, auf ein Fortschreiten von der Praxis zur Theorie.
Die Forderung nach Kontakten mit anderen Forschern führt notwendig zum Wunsch nach einer Sozietät, an der in bestimmten Zeiträumen wissenschaftliche Ergebnisse ausgetauscht, Forschungsaufgaben verteilt und besprochen werden sollen und für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse Sorge getragen werden soll.

Ich will gerne den Satz von Gottfried Wilhelm Leibniz ausserhalb seiner Schrift schwingen lassen:

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Es gäbe zum Thema Vision noch einiges zu sagen. Schliessen will ich mit drei Zitaten, die meine Intention aller Texte zum Thema Lernen bzw. der damit verbundenen Forschungsarbeit im Sommer 2025 gut zum Ausdruck bringen.

Das erste ist von Friedrich Hacker, 1914 – 1989, austroamerikanischer Psychiater, Psychoanalytiker und Aggressionsforscher.

Das Fehlen sichtbarer Gewalt erlaubt der Manipulation, sich als jene Freiheit auszugeben, die sie entzieht.

Das zweite ist von William Shakespeare, 1564 – 1616, englischer Dichter, Theaterunternehmer
und Schauspieler.

Oh, herrlich ist’s zu haben eines Riesen kraft, doch grausam, sie wie ein Riese zu gebrauchen.

Das dritte Zitat ist von Edmund Burke, 1729 – 1797, irisch-britischer Schriftsteller, früher Theoretiker
der philosophischen Disziplin der Ästhetik, Staatsphilosoph und Politiker in der Zeit der Aufklärung.

Keine Emotion beraubt den Geist so vollständig von seinen Möglichkeiten zu handeln und zu denken, wie die Angst.

Mehr gibt es hier nicht mehr zu sagen.

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Wer noch nicht genug hat und das Motiv zu diesem Text mit dem Bild Anna Selbdritt vergleichen möchte, bitteschön.


Für alle die gerne den ersten Teil lesen wollen: LERNEN_1 [basics]

Für alle, die gerne den zweiten Teil lesen wollen: LERNEN_2 [verwertung]

Für alle, die gerne den dritten Teil lesen wollen: LERNEN_3 [hände]

Für alle, die gerne den vierten Teil lesen wollen: LERNEN_4 [geschichte/n]

Für alle die gerne den fünften Teil lesen wollen: LERNEN_5 [prozesse]

Für alle, die gerne den sechsten Teil lesen wollen: LERNEN_6 [methoden?]

Für alle, die gerne den siebten Teil lesen wollen: LERNEN_7 [haltung!]

Für alle, die gerne den achten Teil lesen wollen: LERNEN_8 [vision]

Für alle, die gerne den zehnten Teil lesen wollen: LERNEN_10 [post-vision] > folgt


Wer doch lieber auf Papier lesen möchte, findet hier das PDF. > folgt


Dieser Text entstand im Rahmen meines Forschungsprojektes mit dem Titel EDUCATION FUTURES im Sommersemester 2025. Hier die Erläuterungen zur Intention der Arbeit:

EDUCATION FUTURES

Transformation der Bildung und Anforderungen an neue Methoden.

Bildung gilt als die Währung der Zukunft und als zentraler Aspekt der verantwortlichen Gestaltung einer Welt von Morgen, deren Aufgaben exponentiell komplexer und zunehmend dynamischer werden.

Bildung generell und damit auch der Anspruch in Hochschulen orientiert sich an dem Ansatz vertikaler und inkrementeller Strukturen und der damit verbundenen Organisationen, während die Einflussfaktoren der Digitalität im Kern einer systemisch vernetzten und iterativen Logik folgen.

Wenn die gewohnten Aufgaben und Tätigkeitsfelder mit digitalen und automatisierten Routinen sowohl effizienter als auch variabler sowie die kommunikativen Anforderungen direkter erstellt werden können, dann drängt sich die Frage auf, was diese Entwicklung für das Zukunftsbild des Berufsfeldes Design und Kommunikation langfristig bedeutet.

Möglicherweise bedeutet dies, die Enge einer auf ein Fachgebiet konzentrierten Disziplinarität generell neu zu denken und Szenarien zu formulieren, in denen unterschiedliche Disziplinen agil und dynamisch ein gemeinsames Ziel zur Lösung eines Problems verfolgen.

Marvin Minski, einer der Gründerväter der Künstlichen Intelligenz, hat diesen Gedanken unter dem Begriff der Heterarchie zum Ausdruck gebracht. 
Ein Begriff, der auf einer Metaebene jede Struktur so variabel nutzt, damit ein iterativer Prozess eine hohe Qualität des Ergebnisses ermöglicht und das avisierte Ziel effizient erreicht.

Damit Bildung zu unserer Zukunft passt, brauchen wir neue Methoden, neue, auch radikale Ansätze sowie den Mut zur Spekulation und Improvisation, um den Aufgaben in unperfekten Welten gerecht zu werden.

Dies bedeutet vielleicht auch die Aufgabe grundlegender Überzeugungen, wie Wissen entsteht, wie Menschen ihr Potenzial entwickeln und wie eine inklusiv denkende Gemeinschaft zu einem kreativen Wettbewerb der besten Ideen zusammenkommt und sich von einem Maschinendenken löst, welches kreative und verantwortliche Lösungen nur mit dem Anspruch an Verdrängung und den kurzfristigen ökonomischen Erfolg verbindet.

Der zweite Teil der Forschungsarbeit bestand in der Ausarbeitung verschiedener Glossare mit dem Ziel, Methoden für die konkrete Anwendung in der Bildung nachvollziehbar zu beschreiben.

Methodenglossar_1 [kommunikation + design]
Methodenglossar_2 [innovation + workshop]
Methodenglossar_3 [debatte + diskurs]


© Carl Frech, 2025

Die Nutzung dieses Textes ist wie folgt möglich:

01 Bei Textauszügen in Ausschnitten, zum Beispiel als Zitate (unter einem Zitat verstehe ich einen Satz oder ein, maximal zwei Abschnitte), bitte immer als Quelle meinen Namen nennen. Dafür ist keine Anfrage bei mir notwendig.

02 Wenn ein Text komplett und ohne jede Form einer kommerziellen Nutzung verwendet wird, bitte immer bei mir per Mail anfragen. In der Regel antworte ich innerhalb von maximal 48 Stunden.

03 Wenn ein Text in Ausschnitten oder komplett für eine kommerzielle Nutzung verwendet werden soll, bitte in jedem Fall mit mir Kontakt (per Mail) aufnehmen. Ob in diesem Fall ein Honorar bezahlt werden muss, kann dann besprochen und geklärt werden.

Ich setze in jedem Fall auf Eure / Ihre Aufrichtigkeit.

LERNEN_8 [+ KI]

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LERNEN_7 [haltung!]

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LERNEN_6 [methoden?]

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